Heute gibt es einen Erlebnisbericht von Margret Sturm-Wiersig

Olympische Spiele 1972

 

Im Sommer 1971 machte ich über das Bayerische Rote Kreuz im Schwabinger Krankenhaus und Rechts der Isar die Ausbildung zur Schwesternhelferin. Im September trat ich zusammen mit meiner Freundin Julika in die Sanitätskolonne Ainring ein, wir waren zu diesem Zeitpunkt nur 3 Frauen.

Weil 1972 in München die Olympischen Spiele stattfanden, habe ich mich mit Julika für den Rotkreuzdienst dort beworben. Den Zuschlag bekam ursprünglich Julika, sie musste aber aus zeitlichen Gründen ablehnen. Ich bekam den Platz.
Im Mai und Juni 1972 fanden als Testveranstaltung alle deutschen Meisterschaften in den Olympischen Disziplinen in München statt. Ich landete bei der Dopingkontrolle in der Schwimmhalle.

Zehn Tage vor Beginn der Spiele musste ich in München sein und war mit vielen anderen Rotkreuzhelfern in der SanAk untergebracht. Wir hatten tagsüber Schulungen und Einweisungen, aber auch viel Freizeit. Drei Tage vor Beginn wurde ich ins olympische Dorf der Männer zur Dopingkontrolle abkommandiert. Unser Dienstort war das Penthouse auf dem Ärztezentrum und da wohnten wir auch. Wir arbeiteten in einem 4er Team, 2 Rotkreuzhelferinnen und 2 Ärzte, in Tag- und Nachtschicht jeweils von 9.00 Uhr bis 21.00 Uhr und umgekehrt. Ich hatte einen überheblichen Arzt aus Hannover zum Chef. Bei uns landeten die Sportler und Sportlerinnen, die nach dem Wettkampf keine Urinprobe abgeben konnten. Wir mussten bei der Urinabgabe anwesend sein, die Proben verplomben und einen Kurier bestellen, der damit zum Labor fuhr.

Die Olympischen Spiele in München waren sehr fröhlich und unkompliziert, wir konnten ungehindert Kontakt zu den Sportlern und Sportlerinnen aufnehmen. Unbeschwert trafen wir uns mit ihnen in der Disco mitten im Dorf oder waren mit ihnen in München unterwegs, soweit es ihr Wettkampfkalender zuließ. Es gab zwar überall Eingangskontrollen, aber da wurde schon öfter mal ein Auge zugedrückt. Ich besaß einen Dienstausweis mit Foto wie alle Zugangsberechtigten.
Im Olympischen Dorf war tagsüber ein ständiges Kommen und Gehen. Es waren olympische Spiele wie aus dem Bilderbuch. Die Sportler der Welt und viele Zuschauer trafen sich in München und hatten viel Spaß.

Das änderte sich schlagartig am 5. September durch das Attentat. Vorbei war es mit Freude und Leichtigkeit, bleiern legten sich Trauer und Angst über die Spiele. Die schleppten sich nach einem Tag Unterbrechung hin zur Schlussfeier.
An die ersten knapp zwei Wochen denke ich gerne zurück.

 

Adventskalender – Türchen #13