Heute gibt es einen Erlebnisbericht von unserem Bereitschaftsleiter Till Schöndorfer

 

Hochwasser Ahrweiler/Rheinland-Pfalz

 

Über den Landesverband des Bayerischen Roten Kreuzes kam am 4. August 2021 die Helferabfrage zur Unterstützung des „Verpflegungszentrum 10.000“ in Rheinland-Pfalz. Da ich bereits bei mehreren überörtlichen Einsätzen teilnahm (z.B. Fußballeuropameisterschaft 2008 in Österreich und Special Olympics 2010 in Bremen) war meine Motivation hoch, auch um mein Wissen als Feldkoch auszubauen und die Logistik kennenzulernen. Aufgrund meiner Elternteilzeit waren einige Zeiträume ohne Diensttausch oder Urlaub möglich, diese meldete ich umgehend zurück.

Am 19. August erhielt ich den Marschbefehl nach Rheinland-Pfalz für den Zeitraum 28. August bis 5. September. Da eine zerstörte Infrastruktur zu erwarten war stellte ich mein Marschgepäck mit Hilfe der PAKET (Pers. Ausrüstung für KatS-Einsatz in Tasche) zusammen. Am Samstag früh gings los. Mein ersten Halt war in Allershausen bei Freising um zwei Einsatzkräfte der BRK Bereitschaft Ismaning aufzunehmen. Nach weiteren 2 Stopps auf der Fahrt quer durch Bayern, um weitere Rotkreuzhelfer mitzunehmen, erreichten wir etwas verspätet gegen 13 Uhr das Marschziel Grafschaft (dortiges Haribo Gelände).

Dort wurden alle Helfer registriert und einer Unterkunft zugewiesen. Dann erfolgte eine Begrüßung durch den DRK Einsatzleiter Uwe Mauch sowie die Aufteilung nach Qualifikationen. Es erfolgten diverse Einweisungen auf dem Gelände (u.a Feldküchen, Gasschulung, Handhabung verschiedener technischer Geräte).

Als Feldkoch wurde ich einer Feldküche zugeteilt, zusammen mit einem Kollegen der Bereitschaft Regenstauf bei Regensburg. Fahrgemeinschaften wurden gebildet und dann ging es auf zur Unterkunft, einer Reha Klinik welche aufgrund des Hochwassers nicht für Patienten aufnahmebereit war. Auf dem Weg dahin eine Spur der Verwüstung. Häuser an denen die Wasserlinie des Hochwassers klar zu erkennen ist, teilweise fehlen Wände, freie Flächen lassen erahnen wo ganze Häuser Opfer der Flut wurden. Überall Schlamm und Geröll. Behelfsbrücken des THW da die vorhandenen einfach mit den Wassermassen mitgerissen wurden. Häuser ohne Fenster & Türen. Verzweifelte Gesichter der Bewohner, die dennoch ein Lächeln und Daumen nach oben für die Einsatzkräfte haben. Das trifft einen mitten ins Herz. Mir war direkt unwohl als ich in der Reha Klinik mein Einzelzimmer mit Bad bezog.

Einsatzbeginn war Sonntag um 3:30 Uhr, die restlichen Tage hieß es 4:30 Uhr an der Feldküche. Alle Feldküchen-Teams versammelten sich, es wurde vom Chefkoch des Verpflegungszentrums eine kurze Einweisung in den Tagesablauf gegeben, Neuigkeiten im Lager kundgetan und dann die Rezepte an die jeweilige Küche ausgehändigt. Aufgeteilt waren die Küchen meist nach Beilage, Hauptgericht, Hauptgericht vegetarisch und Salat. Der Zeitpunkt zur Fertigstellung wurde ebenfalls mitgeteilt.

Dann gings ans Material holen: Lebensmittel waren bereits durch die Logistiker auf Paletten vor die jeweilige Küche geliefert worden. Speisenbehälter & Kochutensilien sowie Gewürze mussten separat geholt werden. Gegen 7 Uhr öffnete das Zelt der Helferverpflegung und man konnte sich ein Frühstück organisieren – aufgrund der minimalen personellen Besetzung der Küchen wurde dieses meist an der Küche nebenbei eingenommen. Wenn alle Speisen abgefüllt waren und zur Kommissionierung geliefert wurden gings direkt ans Küche putzen und dann war Zeit fürs Mittagessen. Zweimal in der Woche mussten außertourliche Mahlzeiten zubereitet werden sodass es passierte, dass der Tag um 4:30 Begann und um 17 Uhr endete.

Der Teamgeist aller Feldküchen war unbeschreiblich und man wuchs innerhalb kürzester Zeit zu einem Team zusammen. Die Helfer kamen aus den verschiedensten Bundesländern, von Berlin bis zum Bodensee. Teilweise bereits seit Wochen im Einsatz, gezeichnet vom Einsatzdienst aber Alle bester Laune.

Man kommt mit Betroffenen ins Gespräch, es sind unvorstellbare Erlebnisberichte die man zu hören bekommt.

Es wird Jahre dauern, bis wieder alles aufgebaut ist. Die Menschen sind gezeichnet.

Man merkt wie gut man es selber hat. Man wird demütig.

Die Rückkehr in den normalen Alltag fiel die erste Woche nach Rückkehr sehr schwer.

 

 

Adventskalender – Türchen #20