17.06.2013 – Heimische Rotkreuzler waren fast zwei Wochen im Landkreis und in Niederbayern zur Hochwasserhilfe im Einsatz

Sie haben hunderten Flutopfern geholfen: Alle Einsatzkräfte aus dem Landkreis sind unverletzt nach Hause zurückgekehrt

Fast zwei Wochen lang waren die heimischen Einsatzkräfte der BRK-Bereitschaften, der BRK-Wasserwacht, der Bergwacht im BRK und des Landrettungsdienstes wegen der Hochwasser-Katastrophe im Landkreis und in Niederbayern im Einsatz. Wasserwacht und Bergwacht mussten hunderte vom Wasser bedrohte Menschen und Haustiere mit Booten, Hubschraubern und Geländefahrzeugen retten, die dann mit Sanitätsfahrzeugen und vom BRK-Fahrdienst weitertransportiert wurden. Die BRK-Bereitschaften unterstützten den regulären Rettungsdienst und Krankentransport, der wegen Überflutung und Muren nicht mehr überall anfahren konnte und kümmerten sich mit ihrem Betreuungsdienst um die Grundversorgung und Unterkunft vieler hundert evakuierter Hochwasseropfer und gestrandeter Reisender, wobei beispielsweise in Freilassing fünf Tage lang eine Versorgungsstelle mit warmen Mahlzeiten, Kleidung, Hygieneartikeln und Kriseninterventionsdienst (KID) betrieben wurde.

Komplexes Hilfeleistungssystem bewährt sich
„Unser komplexes Hilfeleistungssystem mit seinen vielen ehren- und hauptamtlichen Helfern hat sich dabei bestens bewährt. Das BRK ist eine allseits einsatzfähige Katastrophenschutz- und Rettungsorganisation, die für alle Wetterlagen bewährte und kundige Spezialisten aufbieten kann“, lobt BRK-Kreisvorsitzender Roland Richter. Vom 2. bis einschließlich 14. Juni waren wegen der Hochwasserlage im Freistaat fast 6.700 Rotkreuzler (4.901 der BRK-Bereitschaften, 1.003 der BRK-Wasserwacht, 580 der Bergwacht im BRK und 200 des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK)), 1.399 Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienstes (MHD), 104 der Johanniter Unfallhilfe (JUH), 60 des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und 64 der privaten Rettungsdienste im Einsatz.

Evakuierungen in Freilassing
Als am Morgen des 2. Juni der Pidinger Ortsteil Bichlbruck und Teile von Freilassing unerwartet schnell und heftig vom Hochwasser der Saalach geflutet wurden, mussten die Feuerwehren, das Rote Kreuz das THW und der MHD innerhalb kurzer Zeit viele hundert betroffene Bewohner und gestrandete Reisende in Sicherheit bringen und in Notunterkünften versorgen. Teilweise spielten sich dramatische Szenen ab, beispielsweise als das Wasser sehr rasch auf die B20 lief und ein Auto samt Fahrer weggespült wurde. „Wir mussten innerhalb weniger Minuten alle verfügbaren Boote einsetzen, um Betroffene rechtzeitig aus ihren Häusern zu retten. Die Lage entspannte sich erst richtig, als überregionale Verstärkung und Ablöse durch unseren Wasserrettungszug Oberbayern eintraf“, erinnert sich Wasserwacht-Ortsgruppenvorsitzender Peter Graf. Manche wollten trotz der starken Strömung und der nicht abschätzbaren Pegelstände ihr Zuhause nicht verlassen und mussten aufwendig überredet oder zwangsevakuiert werden. Drei Hubschrauberbesatzungen und Luftretter der Bergwacht holten Leute per Winde oder Tau von komplett umspülten Häusern ab, die per Boot wegen starker Strömung und Unterwasser-Hindernissen nicht mehr erreichbar waren. Die BRK-Bereitschaften, der MHD und der Betreute Fahrdienst des Roten Kreuzes übernahmen mit über 40 Fahrzeugen den Transport und die weitere Versorgung der Evakuierungen und der gestrandeten Bahnreisenden, die in zwei Notunterkünften betreut wurden.

Fünf Tage Dauereinsatz
Nach der Hochwasserkatastrophe waren die Helfer der BRK-Bereitschaften fünf Tage im Dauereinsatz, um die betroffenen Bewohner sanitätsdienstlich und psychisch zu betreuen und mit dem Nötigsten zu versorgen: Essen, Getränke, Kleidung und Hygieneartikel. Für Babys und Kleinkinder wurden beispielsweise Windeln beschafft und ein eigener Kinderbereich in den Notunterkünften eingerichtet. Zudem vermittelten die Rotkreuzler Übernachtungsmöglichkeiten, die spontan von solidarischen Einwohnern der Stadt und des Landkreises angeboten wurden. Auch getrennte Familien wurden von den Helfern wieder zusammengeführt. Der BRK-Kriseninterventionsdienst (KID) war ebenfalls in Freilassing mit mehreren Krisenberatern unterwegs und betreute Hochwassergeschädigte, die mit den Nerven am Ende waren. Da bereits am Montag die ersten Geschädigten wieder zu ihren Häusern zurück konnten, dort jedoch aufgrund der Schäden weder über Strom noch Möglichkeiten zur Körperpflege oder zum Kochen verfügten, entschied sich das BRK, die Notunterkunft und Versorgungsstelle am Rathaus weiterhin zu betreiben. „Viele Bewohner wollen verständlicherweise wieder zu ihren Häusern, um aufzuräumen und retten, was noch zu retten ist. Darum belieferten wir zweimal täglich den betroffenen Stadtteil mit Getränken und vielen warmen Mahlzeiten aus dem Feldkochherd-Anhänger unseres Betreuungsdienstes“, erklärt der Leiter der Freilassinger Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG), Christian Koller. Im Foyer des Rathauses verteilten die Rotkreuzler zudem Bekleidung für Babys, Kinder und Erwachsene, Babynahrung, Hygiene-Artikel, Schuhe und Gummistiefel an die Betroffenen.

Verletzte bei den Aufräumarbeiten
Da sich auch immer wieder Helfer bei den Aufräumarbeiten verletzten und der Rettungsdienst anrücken musste, kümmerten sich die BRK-Bereitschaften zusätzlich um die sanitätsdienstliche Absicherung. „Einer der schönsten Momente war, als am Freitagvormittag der Vinzentius-Kindergarten spontan selbstgebackene Muffins zum Freilassinger Rathaus brachte und an Helfer und Betroffene verteilte“, erinnert sich der stellvertretende Ainringer Bereitschaftsleiter Heinrich Schnell. Einige Rotkreuzler besuchten dann am Wochenende nach den Strapazen im Kurpark Waging auch einen Benefiz-Film-Abend zu Gunsten der Freilassinger Hochwasseropfer.

Unversehrt wieder zu Hause angekommen
Unversehrt, jedoch mit eindrucksvollen und unfassbaren Bildern im Kopf sind mittlerweile wieder alle heimischen Einsatzkräfte von der Hochwasser-Katastrophenhilfe in Niederbayern zurückgekehrt. „Egal ob Bergwacht im BRK, BRK-Wasserwacht, BRK-Bereitschaften oder hauptamtlicher Rettungsdienst und Krankentransport; alle haben in den letzten Tagen Hand in Hand mit Feuerwehr, THW, Bundeswehr und anderen Hilfsorganisationen zusammengearbeitet und sind im Kampf gegen die Wassermassen enger zusammengewachsen“, freut sich Kreisbereitschaftsleiter Andreas Rautter. Gemeinsam wurden viele tausend Sandsäcke gefüllt und gestapelt, Barrieren errichtet, Menschen und Tiere evakuiert oder gerettet, Betroffene betreut und versorgt und Notunterkünfte betrieben. Bereits am 3. Juni hatten die heimischen BRK-Bereitschaften mit ihrem Betreuungsdienst-Lastwagen dringend benötigte Feldbetten und Decken für Notunterkünfte nach Passau in die Dreiländerhalle geliefert, wo ein Großteil der überregionalen Einsatzkräfte verpflegt wurde und untergebracht war. „Es war beeindruckend zu sehen, dass so viele Retter aus ganz Bayern an einem Ort zusammengekommen waren, um zu helfen“, berichtet Bernhard Wiersig von der BRK-Bereitschaft Ainring.

Andreas Rautter leitet Transportkontingent
Das Transportkontingent der oberbayerischen BRK-Bereitschaften mit über 30 Fahrzeugen war unter der Leitung von Rautter tagelang im Katastrophengebiet in Niederbayern unterwegs. Die Aufgaben der freiwilligen Sanitäter dort: Evakuierung und medizinische Versorgung der vom Hochwasser betroffenen Bevölkerung. „Es war für uns zunächst unbegreifbar, als die Autobahn gut zwei Meter unter Wasser stand“, erinnert sich der Leiter der Reichenhaller SEG, Christopher Löffelmann. Die örtliche Bevölkerung war durch die Bank dankbar für die Hilfe aus dem Berchtesgadener Land; nicht direkt vom Wasser geschädigte versorgten die oberbayerischen Retter beispielsweise spontan mit Brotzeiten oder boten Nachtunterkünfte an.

Rettungsdienst in Straubing und Passau unterstützt
Auch die hauptamtlichen Mitarbeiter des heimischen Rettungsdienstes und Krankentransports waren teilweise ehrenamtlich in Niederbayern im Einsatz, um die dortigen Helfer nach ihrem tagelangen Einsatz personell zu entlasten. „Als reguläre Fahrzeuge und ehrenamtlich als Unterstützungsgruppe Rettungsdienst (UGRett) waren unsere Leute mehrere Tage in Passau und Straubing, um dort Krankentransporte, Notarzt- und Notfalleinsätze zu übernehmen“, berichtet Markus Zekert, Rettungsdienstleiter beim BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land. Grund für die Anforderung am 11. Juni nach Straubing war, dass der geöffnete Damm aufgrund einer neuen Scheitelwelle wieder sehr rasch geschlossen werden musste. Dabei wurden in der Nacht acht Helfer verletzt oder blieben völlig erschöpft liegen. Die befürchtete neue Überflutung blieb dann aber zum Glück aus. Am Wochenende zuvor halfen die hauptamtlichen Mitarbeiter bereits in Passau aus, um den regulären Rettungsdienst zu gewährleisten, da viele Rotkreuzler seit Tagen ununterbrochen im Dauereinsatz waren und durch die Kollegen aus dem Berchtesgadener Land abgelöst werden mussten. „Die Straßen entlang der Donau sind bis vor wenigen Tagen knapp zwei Meter unter Wasser gestanden. Die komplette Wohnungseinrichtung, die vom Wasser zerstört war, lag vor den Häusern, die Erdgeschosse und die Keller standen teilweise noch unter Wasser und in den Vorgärten hatte sich bis zu zwei Meter Schlamm angesammelt“, erinnert sich Rettungssanitäter Florian Reiter. Nach rund zwei Stunden Anfahrt trafen die heimischen Einsatzkräfte um kurz vor 6 Uhr an der Rettungswache in der Passauer Altstadt am Feuerwehrhaus zu ihrer Halbtagesschicht ein. „Wir wurden herzlich begrüßt und haben uns gleich aufgeteilt; ein Passauer Kollege fuhr als Ortskundiger auf unserem Auto mit; ich durfte mit einer Passauerin auf dem dortigen Rettungswagen Einsätze fahren. In der Innstadt gab es zudem einen Notarzt, der bei Bedarf mit auf unserem Rettungswagen „Rotkreuz Passau 71/3“ ausrückte“, erzählt Reiter. „Die Bundeswehr, die dort ebenfalls einen Sanitäts-Unimog stationiert hatte, brachte uns zu Einsatzstellen in überschwemmten Straßen, die wir mit den normalen Fahrzeugen nicht mehr erreichen konnten. Um 18 Uhr fuhren wir nach vielen Einsätzen wieder nach Hause. Als wir so gegen 20 Uhr Freilassing erreicht hatten, wurden wir von der Leitstelle noch zu einem Notfalleinsatz geschickt, da kein anderes Rettungsmittel mehr frei war. Gegen 22 Uhr erreichten wir dann endlich wieder die Rettungswache Bad Reichenhall und reinigten noch unser Fahrzeug. Auch am Sonntag gab es wirklich viel zu tun, so dass wir das Gefühl hatten, den Menschen wirklich geholfen zu haben. Überall hört man, dass es mit der Zivilcourage in Deutschland sehr schlecht stehen würde, aber Passau hat mir gezeigt, dass die Menschen zusammenhelfen, wenn es drauf ankommt. Ich bin froh und dankbar, dabei gewesen zu sein“, erklärt Reiter.

Dankbare Bevölkerung
Die Bundeswehr und das Rote Kreuz versorgten die Bevölkerung in Passau mit Getränken und kochten Mahlzeiten für alle Helfer. Beeindruckend waren die Hilfsbereitschaft und die Dankbarkeit der Bewohner, die zusammen mit der Bundeswehr, dem THW und der Feuerwehr mit Schaufeln anrückten, um den Schlamm zu entfernen. „Wir waren bei einer Feuerwehr in Innstadt stationiert, wo von Anwohnern im Stundentakt Kuchen und andere Lebensmittel für die Helfer abgegeben wurden. Für Einsätze in die Passauer Altstadt, die nach wie vor teilweise unter Wasser stand, konnten wir auf einen geländegängigen und höheren Rettungswagen der Bundeswehr zurückgreifen, da unser niedrigeres Fahrzeug abgesoffen wäre“, berichtet Rettungsassistent Florian Halter. „Zusammengefasst hatten wir in unserer Zwölf-Stunden-Schicht neun Blaulichteinsätze und weitere 15 Versorgungen an unserer Feuerwache, wo sich Helfer mit Schnittwunden und sonstigen kleineren Verletzungen gemeldet hatten. Kritisch war auch, dass der Schlamm, der in der ganzen Stadt verteilt war, sehr bakterien- und schadstoffhaltig ist, weshalb sich viele Helfer mit Hautausschlag und Erbrechen bei uns gemeldet hatten“, erzählt Halter. Die Folgen des Hochwassers und die damit verbundenen Aufräumarbeiten werden in den Landkreisen Deggendorf und Passau noch einige Wochen andauern.

BRK-Wasserwacht eine Woche im Dauereinsatz
Vor allem die heimischen Einsatzkräfte der BRK-Wasserwacht waren an vorderster Front gefordert, um von den Wassermassen bedrohte Menschen und Haustiere zu evakuieren – eine Woche im Schichtbetrieb, zunächst im Landkreis und dann in Niederbayern. „Trotz der dramatischen Bilder, der immensen Schäden und des teilweise körperlich und auch psychisch anspruchsvollen Einsatzes waren die Stimmung unter den Helfern und der Teamgeist toll“, freut sich der Technische Leiter der Kreis-Wasserwacht, Siegfried Hauber. „Ein Fertighaushersteller in Osterhofen hatte kurzerhand seine Ausstellungsräume geschlossen, dort den Wasserrettungszug untergebracht und mit einer gewaltigen Verpflegung versorgt“, erinnert sich der Technische Leiter der Berchtesgadener Wasserwacht, Franz Kurz

Wasserwacht beim Hochwasser im Landkreis gefordert
Im südlichen Landkreis war die BRK-Wasserwacht vor allem zur Gefährdungsbeurteilung gefordert. Aufgrund der heftigen Niederschläge und wegen der schlechten Wettervorhersagen wurde bereits am 30. Mai der Wasserstand des Königssees um rund 20 Zentimeter gesenkt, um für die angekündigten Regenfälle ein ausreichend großes Auffangbecken zu schaffen. Am 1. Juni gegen 21 Uhr gingen dann die ersten Unwettereinsätze für die Feuerwehren des Landkreises bei der Leitstelle ein. Ab Mitternacht waren fast alle Feuerwehren im Landkreis unterwegs – zunächst traf es den Ortsteil Maria Gern in Berchtesgaden und den Reichenhaller Ortsteil Karlstein sehr hart. Gegen 2.40 Uhr wurden deshalb zur Unterstützung der Feuerwehren die BRK-Wasserwacht und die Bergwacht Bad Reichenhall alarmiert, um im Bauhof zusätzliche Sandsäcke zu füllen. Die Flüsse und Bäche im Bereich Berchtesgaden hatten am 2. Juni gegen 3 Uhr den höchsten Wasserstand erreicht (Königsseer Ache am Messpunkt Schwöbbrücke: 1,95 Meter, Ramsauer Ache am Messpunkt Ilsank: 1,35 Meter und Berchtesgadener Ache am Messpunkt Klärwerk: 3,10 Meter). Das Oberflächenwasser konnte nicht mehr vom gesättigten Untergrund aufgenommen werden, weshalb sich die Wassermassen den kürzesten und einfachsten Weg in die nächstgelegenen Flüsse suchten.

Oberbayerischer Wasserrettungszug in Freilassing, Rosenheim und Niederbayern
Zur Unterstützung der Evakuierungsmaßnahmen in Freilassing rückte auch der oberbayerische Wasserrettungszug der BRK-Wasserwacht an. Die Katastrophenschutz-Einheit besteht aus mehreren einzelnen Komponenten, die von verschiedenen Kreis-Wasserwachten gestellt werden, um die Einheiten vor Ort bei überregionalen Einsätzen nicht zu sehr auszudünnen. Jeder einzelne Zug der insgesamt fünf bayerischen Züge verfügt über mehrere Boote, Taucher und Wasserretter und kann unabhängig von den anderen als einzelne Einheit im Katastrophengebiet eingesetzt werden. „Die Lage im Raum Freilassing entspannte sich dann am Sonntagnachmittag etwas und das Wasser stieg nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir die meisten Bewohner bereits evakuiert“, berichtet Hauber. Der Wasserrettungszug wurde deshalb weiter nach Rosenheim geschickt – die heimischen Wasserwachten blieben zur Absicherung in Freilassing vor Ort und tauschten ihre Einsatzkräfte im Schichtbetrieb aus.

Katastrophenhilfe bei der Evakuierung in Niederbayern
Zwei Tage zuvor hatten sie noch von der Unterstützung des Wasserrettungszugs in Freilassing profitiert, am 4. Juni mussten zwei SEG´n der heimischen BRK-Wasserwacht als Teil des Wasserrettungszugs Oberbayern und Luftretter der örtlichen Bergwachten selbst ins Hochwasser-Katastrophengebiet nach Niederbayern aufbrechen, um die dortigen Einsatzkräfte bei der Evakuierung von Menschen und Haustieren mit Booten und Hubschraubern zu unterstützen. Die bereits angespannte Lage dort hatte sich während der Nachtstunden weiter zugespitzt. Um 12.20 Uhr führten die Führungskräfte der vier Wasserwacht-SEG´n eine Telefonkonferenz durch, um den mehrtägigen Einsatz abzustimmen und zu planen. Sie beschlossen mit drei Fahrzeugen, drei Booten und zwölf Einsatzkräften aufzubrechen. Bereits um 13.15 Uhr starteten die Berchtesgadener, um sich in Freilassing mit den anderen Kräften aus dem Landkreis zu sammeln. Um 14 Uhr gings dann im Konvoi ab nach Niederbayern. „Nachdem mehrere Hauptverbindungsstraßen aufgrund Überflutung oder Unterspülung gesperrt waren, war der Weg nach Deggendorf etwas kompliziert“, erinnert sich der stellvertretende Technische Leiter der Ortsgruppe Berchtesgaden, Martin Planegger. Gegen 17.15 Uhr trafen die heimischen Ehrenamtlichen dann am Sammelpunkt, einem großen Autobahnrasthof in Wörth ein.

Komplette Ortsteile geflutet
Nach Registrierung von Personal und Material durch die dortige Einsatzleitung machte sich der Zug Oberbayern dann gegen 18.45 Uhr auf ins Katastrophengebiet, wo das Wasser auf eine kritische Höhe von acht Metern gestiegen war. Die Scheitelwelle wurde jedoch erst in den kommenden Tagen erwartet. „Nach dem Jahrhunderthochwasser von 2002 waren die Deiche bei Deggendorf bereits auf sechs bis acht Meter erhöht worden – nicht hoch genug, wie sich jetzt herausstellte“, berichtet Planegger. „Eure Aufgabe wird sein, Menschen und Tiere aus Häusern zu evakuieren“, machte Einsatzleiter Ingo Roeske den SEG-Leitern gleich bewusst. Um 19.15 Uhr wurde der Zug in den nach einem Dammbruch überfluteten Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf angefordert; mehrere Häuser mussten evakuiert werden. Der Zug Oberbayern war bis 1.30 Uhr durchgehend vor Ort und evakuierte Menschen aus deren Häusern, die bereits zu Teilen bis zum ersten Stock überflutet waren. „Nach kurzer Verschnaufpause an der Stadthalle ging es bereits gegen 2 Uhr weiter nach Natternberg. Auch hier mussten wir mehrere Häuser evakuieren“, schildert Christian Hausmann von der Reichenhaller Wasserwacht.

Dramatische Szenen
Im Ortsteil Fischerdorf konnten alle Betroffenen mit Raft- und Motorbooten evakuiert werden; in Natterndorf mit Lastwagen des Technischen Hilfswerks (THW), die mit Wasserrettern der BRK-Wasserwacht besetzt waren. „Hier wurden die Leute per Raft zum Laster gebracht“, erklärt Planegger. SEG´n des Roten Kreuzes und die Bergwacht im BRK übernahmen den weiteren Transport und die Betreuung der Geretteten, darunter auch Bettlägerige und Rollstuhlfahrer. „Um uns herum heulen überall die Sirenen; Martinshörner hört man eigentlich immer. Mit Lautsprecher-Durchsagen wird die Bevölkerung gewarnt und auf die Evakuierung vorbereitet“, meldete Planegger in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in die Heimat. Gegen 6 Uhr am Morgen gab es dann endlich die ersehnte Ruhepause: Bis 8 Uhr konnten die erschöpften Wasserretter in einem Altenheim in Plattling schlafen – die Verbindungsstraßen nach Deggendorf waren alle überflutet, somit mussten sie über große Umwege anfahren. Um 10 Uhr ging es dann direkt wieder nach Natternberg, um noch verbliebene Einwohner zu evakuieren – die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) mit ihrem Zug Alpenland war ebenfalls die ganze Nacht über tätig. „Fischerdorf konnte nicht mehr trockenen Fußes erreicht werden; wir mussten alle Einsatzstellen über Natternberg mit Booten anfahren“, berichtet Hausmann. Neben der Menschenrettung musste die Wasserwacht auch mehrere treibende Gasflaschen, Gastanks oder Dieseltanks sichern und bergen.

Pendelverkehr und Schichtbetrieb
„Die körperliche und psychische Belastung war nicht zu unterschätzen“, erklärt Hauber. Im Schichtbetrieb wurden deshalb während der vier Einsatztage in Deggendorf alle 24 Stunden die heimischen Wasserretter durch neue Kräfte ausgetauscht, wofür bis Freitagabend ein Pendelverkehr mit Mannschaftstransportern vom Berchtesgadener Land nach Niederbayern eingerichtet wurde. Die Kreis-Wasserwacht Berchtesgadener Land gehört dem Wasserrettungszug Oberbayern eigentlich als Tauchtrupp an. Je nach Lage im Einsatzgebiet können die ehrenamtlichen Einsatzkräfte aber auch als Bootstrupp oder als Spezialisten wie Fließgewässer-Retter oder Luftretter am Hubschrauber eingesetzt werden. In Deggendorf waren von Dienstag bis Freitag immer zwölf bis 14 Wasserretter aus dem Berchtesgadener Land im Schichtwechsel vor Ort, um den 40 bis 45 Mann starken Wasserrettungszug Oberbayern zu unterstützen. Am Freitagabend gegen 23 Uhr waren alle einheimischen Wasserretter wieder zu Hause, der Einsatz war jedoch noch nicht vorbei. „Die nächsten Tage – vor allem das Wochenende – wurden dazu genutzt, das Material aufzubereiten, zu säubern und Verlorenes und Defektes auszutauschen“, erklärt der Technische Leiter der Reichenhaller Wasserwacht, Günter Eisenschink. „Die Schraube unseres Außenborders ist richtig abgeschrammt, da wir im trüben Wasser Hindernisse wie Autodächer oder Mauern nicht rechtzeitig erkennen konnten“, berichtet Gerätewart Christian Hausmann.

 

Termine

12
01
01.12.2022 | 19:30-21:30
Bereitschaftsabend
BRK Bereitschaft Ainring, Industriestraße 6a, 83404 Ainring
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Bayerisches Rotes Kreuz
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