Bis zu 150 Rotkreuzler gleichzeitig im Einsatz und insgesamt fast 14.000 Mahlzeiten zubereitet und verteilt

Das Rote Kreuz hat mit seinen drei Gemeinschaften, den BRK-Bereitschaften, der Bergwacht im BRK und der BRK-Wasserwacht, aber auch mit dem regulären Rettungsdienst und Krankentransport den zehntägigen Schnee-Katastrophen-Einsatz im Berchtesgadener Land personell und logistisch unterstützt, wobei bis zum 150 Helfer gleichzeitig im Schichtbetrieb im Einsatz waren. Die Aufgaben der Ehrenamtlichen waren sehr vielseitig: Während sich die BRK-Bereitschaften, der Malteser Hilfsdienst (MHD)  und das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) aus Salzburg vor allem um die Verpflegung, Betreuung und Unterbringung der Einsatzkräfte kümmerten und die rettungs- und sanitätsdienstliche Absicherung der Arbeiten auf den Dächern und der nicht mehr oder nur noch schwer erreichbaren Ortsteile übernahmen, waren die Spezialisten von Berg- und Wasserwacht absturzgesichert mit Schneeräumarbeiten auf Dächern in Neukirchen, Schneizlreuth und dem südlichen Landkreis gefordert, wobei die BRK-Wasserwacht auch in der Verpflegung mithalf. Zusammen mit dem MHD bereiteten die Ehrenamtlichen insgesamt fast 14.000 Mahlzeiten zu und gaben sie an die Einsatzkräfte aus.

Die Bergwachten mussten neben den Dachräumarbeiten und Patienten-Transporten auf nicht mehr befahrbaren, zugeschneiten Straßen auch zur Abklärung und Verschütteten-Suche nach mehreren zum Teil sehr großen Lawinenabgängen ausrücken, darunter auf die Alte Berchtesgadener Straße in Marktschellenberg (9.1.), in der Gerstfeldrinne auf der Südostseite der Reiter Alpe (11.1.), auf die B305 am Gletschergarten (13.1.) und am unteren Felsentor zwischen der Engedey und Ramsau (15.1.). Die Leiter der ehrenamtlichen Gemeinschaften ziehen eine vorläufig recht positive Bilanz und sind froh, dass die Freiwilligen trotz der langen Einsatzdauer sehr motiviert bei der Sache geblieben sind und niemand trotz der durchaus riskanten Arbeiten ernsthaft verletzt wurde. „Ein großer Dank gilt dabei vor allem den Arbeitsgebern, Kollegen und Familien, die so lange Zeit auf die Einsatzkräfte verzichten mussten“, lobt MHD-Kreisgeschäftsführer Michael Soldanski, der auch vom guten Zusammenspiel der beteiligten Organisationen, vieler privater Helfer und Unternehmen sehr angetan ist. Dankbare Anwohner hatten sich spontan mit eingebracht und bei der Essensausgabe unterstützt und die Verpflegung um Kuchenspenden ergänzt, was die gute Stimmung der Einsatzkräfte förderte.

Getreu dem Motto „Ohne Mampf kein Kampf“ haben Fachdienstleiter Till Schöndorfer und sein Betreuungsdienst der BRK-Bereitschaften und Michael Soldanski und sein MHD-Team bis einschließlich Samstagabend (19.1.) zehn Tage lang ein Mammut-Projekt im Hintergrund gestemmt, die Einsatzkräfte verpflegt und dabei fast 14.000 Mahlzeiten zubereitet und verteilt. „Eine gewaltige logistische Arbeit im Hintergrund, die aber sehr wichtig für die gute Stimmung und Motivation aller Beteiligten war. Vor allem die überregionalen Einheiten freute es auch sehr, dass sie bei ihrem Katastrophen-Arbeitsurlaub im Berchtesgadener Land kostenlos die Thermen in Bad Reichenhall und Berchtesgaden besuchen durften und sich nach stundenlangem Schneeschaufeln in der Kälte ein wenig erholen konnten“, freut sich BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter, der den Einsatz auch als sehr lehrreich empfand. Halter: „Ich war überrascht, wie schnell wir insgesamt doch allein wegen der Einsatzdauer auf überregionale Unterstützung angewiesen waren, obwohl es keine größere Anzahl an Verletzten oder Erkrankten gab. Vor allem bei der Ablöse von Einsatzkräften im Schichtbetrieb haben sich die überregionalen Strukturen des komplexen Hilfeleistungssystems gut bewährt.“

Das Rote Kreuz stellte auch Personal für die Einsatzleitung, zeitweise den Örtlichen Einsatzleiter (ÖEL) im Abschnitt Süd sowie durchgehend die Sanitätseinsatzleitung (SanEL) mit Unterstützungsgruppe (UG-SanEL). Die heimischen BRK-Bereitschaften, die Bergwachten und die Wasserwacht waren auch vor dem Katastrophenfall wegen der Schneefälle und des erhöhten Einsatzaufkommens immer wieder zur Spitzenabdeckung des regulären Rettungsdienstes und mit zum Teil sehr aufwendigen und  belastenden Einsätzen stark gefordert, beispielsweise beim tödlichen Lawinenunfall am Teisenberg (5.1.) und wegen der abgestürzten Chinesin am Königssee (29.12.), aber auch bei geplanten Sanitätsdiensten an der Bobbahn am Königssee oder beim Biathlon in Ruhpolding. Eine Summe der insgesamt ehrenamtlich geleisteten Stunden während des zehntägigen Katastrophen-Einsatzes liegt noch nicht vor – die einzelnen Bereichsleiter werten den Einsatz in dieser Woche noch aus.

„Von den Einsatzkräften wurde trotz der durchaus riskanten Einsätze auf den Dächern niemand ernsthaft verletzt“, freut sich Bergwacht-Regionalleiter Dr. Klaus Burger, der vor allem froh ist, wie gut und rasch die überörtliche und überregionale Zusammenarbeit funktioniert hat – die Bergwacht wurde durch Einsatzkräfte aus schneeärmeren Regionen unterstützt – die BRK-Bereitschaften durch das ÖRK Salzburg und Einsatzkräfte aus Altötting und dem Landkreis Fürth. „Wir können Wasser in jedem Aggregatszustand meistern!“, resümiert Martin Planegger von der BRK-Wasserwacht, der ebenfalls sehr stolz auf seine Leute ist, die mit viel Spaß an der Sache die ganze Woche über Dächer abgeschaufelt und in Ainring und der Schönau die Verpflegung der Einsatzkräfte mit übernommen haben.

Während der der starken Schneefälle versorgte das Rote Kreuz im Berchtesgadener Land insgesamt 13 Frauen und Männer, die sich beim Schneeräumen verletzt hatten, da sie beispielsweise ausrutschten und stürzten, von Dächern fielen oder durch morsche Bretter brachen. Am Dienstag (8. Januar) kurz nach 16.30 Uhr stürzte ein 77-jähriger Einheimischer in der Schönau fünf Meter tief vom Hausdach ab. Das Berchtesgadener Rote Kreuz versorgte ihn notärztlich und brachte ihn dann in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Am Donnerstagmittag (10. Januar) gegen 12.15 Uhr brach eine 27-jährige Einheimische in Bad Reichenhall beim Schneeräumen auf einer Hütte durch ein morsches Holzbrett und stürzte zwei Meter tief auf den Rücken ab. Eine Rettungswagen-Besatzung des Reichenhaller Roten Kreuzes schaffte es trotz des heftigen Schneefalls mit Hilfe von Anwohnern, die die Straße räumten, über die steile Zufahrt zum Einsatzort, versorgte die junge Frau und brachte sie in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Am Sonntagnachmittag (13. Januar) gegen 14 Uhr wurde eine 59-jährige Frau auf der Roßfeldstraße durch eine Schneefräse verletzt, wobei Einsatzkräfte der Feuerwehr die Erstversorgung übernahmen, bis das Berchtesgadener Rote Kreuz mit Rettungswagen und Notarzt eintraf und die Verletzte zum Salzburger Unfallkrankenhaus brachte.

Folgende Gemeinschaften und Einheiten des Roten Kreuzes und des MHD waren  während der zehntägigen Schnee-Katastrophe im Berchtesgadener Land im Einsatz:

  • Regulärer Landrettungsdienst und Krankentransport des BRK-Kreisverbands Berchtesgadener Land
  • BRK-Bereitschaft Ainring
  • BRK-Bereitschaft Bad Reichenhall
  • BRK-Bereitschaft Berchtesgaden
  • BRK-Bereitschaft Stadt Freilassing
  • BRK-Bereitschaft Roßtal im Landkreis Fürth
  • BRK-Bereitschaft Teisendorf-Laufen
  • Fachdienst Betreuungsdienst der BRK-Bereitschaften Berchtesgadener Land
  • Fachdienst „Information und Kommunikation“  der BRK-Bereitschaften Berchtesgadener Land
  • Fachdienst „Information und Kommunikation“  der BRK-Bereitschaften Altötting
  • BRK-Wasserwacht Ortsgruppe Bad Reichenhall
  • BRK-Wasserwacht Ortsgruppe Berchtesgaden
  • BRK-Wasserwacht Ortsgruppe Freilassing-Ainring
  • BRK-Wasserwacht Ortsgruppe Laufen-Leobendorf
  • Bergwacht Bereitschaft Altötting
  • Bergwacht Bereitschaft Bad Reichenhall
  • Bergwacht Bereitschaft Berchtesgaden
  • Bergwacht Bereitschaft Freilassing
  • Bergwacht Bereitschaft Inzell
  • Bergwacht Bereitschaft Marktschellenberg
  • Bergwacht Bereitschaft Ramsau
  • Bergwacht Bereitschaft Teisendorf Anger
  • Bergwacht Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau
  • Bergwacht Region Fichtelgebirge
  • Bergwacht Region Frankenjura
  • Bergwacht Region Rhön-Spessart
  • Malteser Hilfsdienst Berchtesgadener Land
  • Malteser Hilfsdienst München
  • Österreichisches Rotes Kreuz – Landesverband Salzburg

Bericht & Fotos: BRK BGL

Vorläufige Bilanz des zehntägigen Schnee-Katastrophen-Einsatzes im Berchtesgadener Land
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